Wie geht eigentlich eine Wende?

Die Haspa Hamburg im Zielsprint nach Mar del Plata

Freitag war ein wundervoller Tag. Strahlende Sonne, 19°C

Wassertemperatur und 17kt Wind von der Seite.

Ungewohnt war auch der Anblick eines voll ausgerefften Großsegels. Es war einfach traumhaft hier vor der argentinischen Küste zu segeln, so dass auch mal vergessen wurde die folgende Wache zu wecken. Bei 11Kt Boatspeed hatte eine riesige Delphinschule wieder ihren Spaß. Für die Tierwelt ist die Haspa Hamburg besimmt ein Highlight hier im Südatlatlantik. Denn Boote zum spielen gibt es hier eigentlich nicht. Nur Fischer mit riesigen Fangnetzen und unglaublich hellen Scheinwerfern, die, auf das Wasser gerichtet, Beute anlocken sollen. Da ist es nicht schwer die Freude der Delphine an den großen Augen und den hohen Luftsprüngen durch die tiefblauen Wellentäler zu erkennen. Einige Stunden begleiteten sie uns heute fleißig.

Zählen konnten wir sie nicht. Zu viele von ihnen waren es und zu flink tauchten sie unter, vor und hinter der Haspa auf und ab.

Lustigerweise stand uns gegen Mitternacht auf den Samstag die erste Wende dieses Törns bevor. Ein ganz neues Gefühl sollte das sein, plötzlich auf einem anderen Bug zu segeln und dann kommen ja noch die Wellen aus einer ganz anderen Richtung!? (kleiner Insider).

Bisher war es den Wachhabenden nur vergönnt ein paar wenige Halsen zu fahren. Dazu kam noch, dass der Wind genau auf die Nase drehte und ein paar Sandbänke auf dem Weg zur Hafeneinfahrt umfahren werden mussten. Aber auch diese Hürde wurde erfolgreich gemeistert.

Wir liefen am sehr frühen Morgen gegen 0500 Uhr im Hafen von Mar del Plata ein. Die Freude auf das bereits seit Stunden kaltgestellte Bier war schon groß.

Aber die Geduld wurde wieder einmal auf die Probe gestellt. Um diese Zeit war Niedrigwasser und das Echolot ließ uns nicht viel Platz zum Manövrieren. Da wir laut Seekarten keine Chance sahen durch das enge und flache Tor des Yachthafens zu kommen, mussten wir uns mit dem Festmachen an einer Boje im Becken davor erst einmal zufrieden geben. Die erste Boje hatte dem Zug der Haspa nicht standhalten können und riss ab. Wir konnten die Kette aber vor dem Absinken bewahren und mit einem unserer Fender an der Wasseroberfläche sichern.

Erst die zweite Boje konnte uns nach der Hilfe des Hafenmeisters mit seinem Motorboot sicher an einem Fleck halten. Wir hatten sicherheitshalber unseren Anker im Anschlag, sodass wir schnell eine Notlösung bei abreißender Kette gehabt hätten. Endlich konnten sich alle entspannen.

Die Gier nach Bier war groß und nach wenigen Dosen fielen alle müde in ihre Koje.

Bereits nach zwei ganzen Stunden unerholsamem Schlaf bauten Chriggel, Johannes und David das Dinghy auf, um mit unserem WiFi-Echolot die Hafeneinfahrt und das Becken des Yachthafens rechtzeitig vor Hochwasser auszuloten, damit die Haspa Hamburg mit ihrem Tiefgang von 3,5m sicher und ohne Kratzer an der Kielunterseite hätte umgelegt werden können. Hätte, hätte, Fahrradkette. Natürlich kamen die drei mit enttäuschter Mimik zurück an Bord, weil schon die Hafeneinfahrt mit 2,6m viel zu flach war. So blieben wir an der Boje und wurden zum Mittelpunkt des Hafengeschehens und Wendemarke für die Optikids des örtlichen Yachtclubs für die Dauer unseres Aufenthaltes.

Wir Grüßen nach Deutschland mit einem fröhlichen Servus, Chriggel, René, Vincent, Jonas, Jan, Johannes und David

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