Gewitterlinie in Skagen

Episoden einer Sommertour

Sonnenaufgang zwischen Anholt und Skagen

Cappu muss sein

Die ersten Tage im Kreuzfahrer-Style, nachts segeln, tagsüber Besuchsprogramm

Auslaufen in Kiel. Da es dann doch ganz ruhig zu sein versprach, die Nacht durch nach Anholt. Für einige Teilnehmende das erste Mal Nachtsegeln. Die Rollwende hat dabei eine ganz neue Bedeutung bekommen: Wenn die Freiwache bei einer Wende auf der Liegewiese herumrollt.

 

 

 

Es war früh genug für einen Liegeplatz dort - ein pfiffiger Hafenmeister wies uns mit “take a sharp right turn – NOW” in den scheinbar letzten freien Liegeplatz am äußersten Ende des Stegs ein. Es wurde über Bestechungsversuche diskutiert - einen Riegel, der genau aufgeteilten Kinderschokolade, an die Pökse in den Schlauchbooten für den Transfer quer durchs Hafenbecken zur Infrastruktur. Wir konnten uns nicht auf einen Umrechnungskurs einigen, somit verblieb die Kinderschokolade zur Freude einiger auf dem Boot und es wurde der Weg über den Steg eingeschlagen.

 

 

 

Die Landstromversorgung erwies sich als kleines Hindernis, da wir als Regattaboot selbstverständlich auf unnötigen Ballast wie Spezial-Adapter verzichtet haben - so zumindest wurde es den Liegenachbarn verkauft, die sich über die Ermangelung des Adapters wunderten. Die Prioritäten wurden zu Gunsten des Milchaufschäumers für den Cappuccino gesteckt, natürlich sustainable mit Hafermilch.

 

Abends gab es ein kulinarisches Highlight. Jomfruhummer (Kaisergrantat) nach Rezept des Fischhändlers, in Meerwasser gegart mit Rohrzange geknackt. Einige mussten hungrig ins Bett, der Aufwand des Knackens war zu hoch... Es wurde durch 7 geteilt und am Folgetag gab es ein Resteessen deluxe - ohne Knackaufwand.

 

 

 

Tags darauf Badestopp mit Anker vor dem Hafen, wo wir der “Rote Grütze” aus den Niederlanden teils sehr nahe kamen – zumindest für das Verständnis der Nachbarn. Mit einer Badeleine am Heck mussten sich nur die unsportlichen Teilnehmenden herumplagen - der Rest bestieg das Schiff über die Ankerleine.

 

Danach ein Schlag durch die Nacht. Highlight zum Wecken um 4: „Guten Morgen, wollt ihr direkt den Spibaum mit hoch bringen?“. Angekommen in Slubbersholm wurde gefrühstückt, verpasster Schlaf der letzten Nacht nachgeholt und in zwei Gruppen Expeditionen auf die Schären durchgeführt. Es wurde der kürzeste Weg zum Felsen gewählt, durch meterweise Algenbewuchs. Das Schwimmen durchs Dickicht hat sich gelohnt; der Zweisitzer-Plumpsklo-Thron mit einem kleinen Häuschen mit zwei Kabinen und jeweils zwei Sitzen wurde mit Verwunderung betrachtet. Der Ausblick von der höchsten Stelle der Schäre hat sich ebenso gelohnt.

 

Abends dann in Marstrand. Auf der Erkundungstour ging es über Stock und Stein - Treffen mit einer Kreuzotter inbegriffen.

 

 

 

Das Frühstück am folgenden Morgen hatte ein abruptes Ende: ein Kaffeebecher stand gefährlich auf dem Deck und geriet ins Rutschen. Ein motivierter, selbstloser Hechtsprung unter der Reling hindurch überforderte das Reaktionsvermögen aller. Es waren nur noch Füße gesehen, allerdings schon längst unter dem Zaun verschwunden, als noch ein “Festhalten” Ruf die anderen im Cockpit erreichte - die Frage stellte sich nur, an was festhalten?! Der Kaffeebecher schwamm, da Thermo mit Doppelhülle - neben dem nun nassen Retter. Es wurde dann doch ein unverhofftes, aber erfrischendes Morgenbad im Hafen. Anmerkung: In Schweden gilt allgemeiner Schwimmwestenzwang. Auch am Steg.

 

 

 

Jetzt Skagen. Im Hafen eindrucksvoller Durchzug einer Gewitterfront. Abends dann einen italienischen Abend mit stilechter musikalischer Untermalung, Spagbolo vegan mit spanischem Rotwein und als Nachtisch ein Snickers. Am Morgen vor 7 Uhr ein ausgedehnter Spaziergang zum Gas holen, dann am Frühstückstisch mit einem ausgeklügelten System von Butter-Messer, Nutella-Messer und Weichkäse-Messer um den Abwaschaufwand zu reduzieren.

 

Danach überraschte uns eine Anfrage des Nachbarn aus dem nächsten Päckchen: “Könnt ihr mir einen Gefallen tun?”. Alle warteten nur auf eine ABM (Arbeitsbeschaffungsmaßnahme), als wir selbstlos und altruistisch – wie wir nunmal sind - das Bier übernahmen, das er nicht mit nach Norwegen importieren durfte und vor der Überfahrt nicht mehr hätte konsumieren können. Wir haben nur keine Ahnung, warum er ausgerechnet uns gefragt hat. Das wird allerdings bestimmt nicht hinterfragt.

 

 

 

Nun werden, um dem Kreuzfahrer-Modus treu zu bleiben, Fahrräder gemietet, die Nordsee erkundet und dann am Nachmittag der 200nm Schlag zu den Grills in Marstal angetreten.

 

Viele Grüße von Bord wünschen euch

Erik, Achim, Charlotte, Mariam, Julius, Lennart und Gloria

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