Bericht Nr. 5

5. April 2013, Position: 25°´24´ N; 57°12` W, Bordzeit 04:00 Uhr (UTC - 4) Heimatzeit 10:00 Uhr (UTC + 2), TWS 12,5kn, SOG 8, COG 35°

Ein unglaublich klarer Nachthimmel begleitet uns durch die 4. Nacht und den
vor uns liegenden Tag. Die Zahl der Sterne ist unendlich und verschwimmt an
manchen Stellen zu beeindruckenden Milchstraßen. Die Sichel des abnehmenden Mondes leuchtet strahlend hell. Bei der Zahl der Sternschnuppen gehen uns langsam die Wünsche aus. Durch die Spiegelung des Himmels im Atlantikwasser ist die Nacht fast hell. Wir empfinden diesen unglaublich schönen Anblick als ein Privileg, ein Privileg für diejenigen, die die Weite an Land und auf dem Wasser suchen. Welche Sterne ihr davon zuhause wohl sehen könnt. Wir wünschen uns für alle, die auf endlich ein wenig warmes Wetter hoffen, dass an einem schönen warmen Tag auch Éuch das Herz bei einem Blick in den Himmel aufgehen möge. Wie gerne würden wir die Stimmung mit Euch allen teilen, wie gerne Euch etwas abgeben von unserem bescheidenen Glück.
Die Haspa Hamburg zieht ihre Bahn durch eine ruhige See. Die immer noch
südöstlichen Winde haben wieder etwas zugenommen und geben dem Schiff einen Schubs. Es kommt wieder gut Fahrt auf. Nun warten wir auf den Rechtsdreher, der uns die Rückseite des vor uns liegenden Hochs anzeigt. Mit ihm werden wir, wenn die heute Morgen gegen 08:00 Uhr Bordzeit über Satellit aus dem Netz gezogenen Wetterdaten unsere Prognose bestätigen, mit raumen Winden in nördliche Richtung segeln.Mit der heute möglichen Technik schießen wir eben nicht mit dem Sextanten sieben Sterne, sondern mit der Inmarsatantenne die Satelliten. Die Informationen über Wetter- und Ortsdaten sind mit diesen Mitteln beeindruckend. Gleiches gilt aber auch für das notwendige Vertrauen in eben diese Technik.
Was es bedeutet, wenn es gelingt, diese Technik zu verstehen und mit ihr
umzugehen, konnten wir gestern sehen. In einem der letzten Berichte hatten
wir von unseren Bastelarbeiten berichtet. Nachdem uns unsere Stromversorgung einen Streich gespielt hat, sind nun wieder alle Geräte über die zentrale Steuerungseinheit ansprechbar. Gute Leute braucht man eben - an Bord und mit Chriggel als Shore-Crew-Strippen-Ass an Land. Einzig unsere Kühlung, die wohl auch mit Ursache allen Übels war, hat uns verlassen. Wir finden allerdings, dass die stilvolle Einnahme eiskalter Getränke sowieso
überbewertet wird und beschließen ganz im Sinne eines Bremischen
Bürgermeisters, dass lauwarmes Wasser viel gesünder sei. Von den Bremern
kann man lernen, auch mit knapperen Möglichkeiten - wenn auch nicht gut, so
doch mindestens zu überleben. Jetzt ist uns auch klar, warum die Freunde des
uns so ans Herz gewachsenen kleinen Ortes südwestlich von Hamburg mit
Vorliebe in die kalten Regionen dieser Welt segeln, wegen der Kühlung. Na
denn, wir bleiben vorerst im T-Shirt und stellen einfach den Speiseplan
etwas um.
Gestern hatten wir den zweiten Schiffskontakt.( Höhe 24°12´8 N; 57!53´6 W).
Achterlich kam die Yamuna Spirit auf. Ein Tanker von 274 m Länge und 48 m
Breite. Sein Kurs war etwas östlicher als unserer, sodass die Yamuna Spirit
zunächst im Abstand von 3,5 sm querab an uns herankam. Sie fuhr mit 13,6 kn
an uns in Bb vorbei auf dem Weg nach Wilhemshaven. Woher wir das alles
wissen? AIS und damit schon wieder der Technik sei Dank.
Es wurde an Bord kurz diskutiert, ob wir wohl kurz einen Funkspruch absetzen
sollten, mit dem wir darauf hinweisen wollten, dass wir sie nur kurz
vorlassen, in einigen Tagen, wenn der Wind dann aus der richtigen Richung
käme, aber mit unserer gewünschten Bootsgeschwindigkeit jenseits der 20
Knoten leider wieder einholen müssten. Der Gedanke erschien uns aber geradezu verwegen aber auch recht unbescheiden und wurde verworfen. Neben dieser vielleicht noch verzeihbaren kurzen gedanklichen Disziplinlosigkeit wäre eine Provokation von Rasmus und die damit verbundene Herausforderung unseres Segelschicksals nachgerade wagemutig, wenn nicht unverzeihbar
risikobehaftet. Also, wendeten wir uns wieder den aktuell realistischen
Kenngrößen unseres Segelglücks zu.
So, das wars mal für heute, wir sagen Tschüss, bis zum nächsten Bericht.
Eure Atlantik-Crew

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