Bericht Nr. 18

Bordalltag

Jetzt am Ende des ersten Teils der Reise wollen wir euch nochmal das
Bordleben mit seinen täglichen Routinen etwas näher bringen.
Wir fahren im sogenannten schwedischen Wachsystem. Das heißt, es gibt zwei
Wachen mit jeweils einem Wachführer und drei Crewmitgliedern. Diese fahren
tagsüber jede jeweils eine sechsstündige Wache und nachts gibt es drei
vierstündige Wachen, wobei es wechselt, welche Wache zwei und welche nur
eine übernimmt. Die Wachwechsel sind immer um 0 Uhr, 4 Uhr, 8Uhr, 14 Uhr und
20 Uhr.
Dazu klinken sich jeden Tag zwei Crewmitglieder aus dem Rythmus aus, dürfen
nachts durch schlafen und müssen sich dafür tagsüber um Schiff, Reinigung,
Essen und Crew kümmern. Achim fährt als Skipper dabei ständig standby und
für ihn und die beiden Wachführer entfällt der Borddienst. Dieses System
führt dazu, dass am Ende so gut wie jeder mal mit jedem gesegelt ist. Es hat
aber auch noch einen ungewollten Nebeneffekt, der dazu führt, dass man nach
einiger Zeit immer müder wird.
Den Höhepunkt hat die Müdigkeit in der vorletzten Nacht gefunden, bei der
erschwerend hinzu kam, dass es die erste wirklich schweinekalte Nacht war.
Ich, Davina, bin um kurz vor 0400 Uhr zum Wecken der neuen Wache unter Deck gegangen. Also als erstes zu Torben. "Torben, aufwachen!"als Anwort nur ein entsetzter Blick. Dann weiter zu Jule. "Jule, aufwachen!""Ja! Was?? Im
Ernst??" "Ja!" "och, nee..." Dann Jan. "Jan, aufwachen" Ich bekomme nur ein
mürrisches Knurren zurück. Zu guter Letzt zu Marvin. "Marvin, aufwachen!"
"NEIN!"
Die Mahlzeiten gibt es immer zu den Wachwechseln um 8 UHr, 14 UHr und 20
Uhr. Morgen gibt es je nach Lust und Laune des Borddienstes Brot, Müsli,
Porridge oder Pudding mit Müsli. Mittags dann wieder Brot, Rest vom Vortag
oder Salat in verschiedenen Variationen. Und von abends haben wir euch ja
schon öfter berichtet.
Neben den formalen Regelungen gibt es auch eine Reihe von Regeln, die sich
nach und nach etabliert haben, aber so nie geplant waren.
So dauern zum Beispiel Logbucheinträge, die wir einmal die Stunde machen,
nachts deutlich länger als tagsüber. Dafür darf man dann nämlich unter Deck
ins Warme und wahrscheinlich beginnen die Lgbucheinträge dann mit "Mein
liebes Tagebuch...". anders sind die langen Aufenthalte unter Deck schwierig
zu erklären.
Eine weitere Regel haben sich scheinbar die Akkus ausgedacht. Sie melden
immer pünktlich zu Beginn meiner, Davinas, Freiwache, dass sie gern geladen
werden möchten. Laden tun wir über die Lichtmaschine des Motors. Es läuft
also nie in meiner Wache, sondern nur in meiner Freiwache der Motor.
Als letzte Regel, die ich euch schlidern möchte, hat sich entwickelt, dass
die, die meist erst spät aus der eigenen Freiwache erscheinen, am lautesten
schreien, wenn jemand anders zum Wachwechsel zu spät erscheint und sie so
eine kurze Zeit länger an Deck bleiben müssen.
Soweit zu den Routinen.
Heute haben wir nach fast drei Wochen das erste Mal wieder Land gesehen. Es
war zwar nur relativ kurz die Nordwest-Ecke von Frankreich, an der Brest
liegt, aber immerhin konnte man so einmal zu Hause anrufen.
Jetzt fühlen wir uns wieder wie mitten auf dem großen Teich. Zwischen Brest
und Cherbourg ist nämlich in keine Richtung Land zu entdecken.
Ansonsten hatten wir die letzten zwei Tage das schönste Rückseitenwetter mit
knapp unter 20kn Wind und strahlendem Sonnenschein. So wie wir es uns die
ganze Zeit gewünscht haben. Nur an der Temperatur müssen wir noch arbeiten, die sind eindeutlich zu nordeuropäisch für unser Verständnis!
Jetzt planen wir am frühen Morgen in Cherbourg zu sein. Dort einmal schnell
duschen, Müll entsorgen und Nutella nachkaufen.
Außerdem verlässt ein Teil der Crew uns leider, da sie am Montag wieder
arbeiten müssen.
Die restlich Crew wird aber natürlich weiter von ihren Abenteuern auf der
hohen See berichten! Ihr müsst also auf nichts verzichten.
Viele Grüße aus einem sehr freundlichen Englischen Kanal wünscht die Crew
der Haspa Hamburg
Achim, Jens, Jan, Torben, Marvin, Lasse, Felix, Holger, Lorenz, Jule und
Davina

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