Bericht Nr. 17

18. April 2013, Position: 47°´28´ N; 007°18` W, Bordzeit 22:00 Uhr (UTC) Heimatzeit 00:00 Uhr (UTC + 2), TWS 18kn, SOG 9, COG 55°

Die Haspa zieht bei mondheller Nacht stramm auf Brest zu. Morgen werden wir
das erste Land nach knapp 3 Wochen sehen. Die Goldmünze hängt bereits am
Mast für denjenigen, der zuerst die erlösende Nachricht bringt. Wir werden
in Cherbourgh einen kurzen Zwischenstopp einlegen, um einen Teil der Crew abzusetzen, um dann schnellstmöglich weiter durch Kanal und Nordsee nachhause zu segeln. Alle an Bord freuen sich schon riesig, von den Erlebnissen zu berichten und Euch in den Arm zu nehmen oder in den Arm genommen zu werden.
Hinter uns liegen ein paar aufregende Tage. Uns hat das Wetter und damit der
Wind in besonderer Weise beschäftigt. Eine Beschreibung bei Maupassant soll
das ersetzen, was wir nicht besser hätten in Worte fassen können:
"Was ist der Wind für Seeleute doch für eine Gestalt! Man spricht von ihm
wie von einem Menschen, einem allmächtigen Herrscher, der mal schrecklich,
mal wohlwollend ist.
Über ihn wird den ganzen Tag am meisten geredet, an ihn wird tage- und
nächtelang pausenlos gedacht. Landmenschen kennen ihn garnicht. Wir aber
kennnen ihn besser als alles andere, diesen Unsichtbaren, diesen
Schrecklichen, diesen Unbeständigen, diesen Heimtückischen, diesen Verräter,
diesen Grausamen.
Wir lieben ihn und wir fürchten ihn, wir kennen seine Tücken und seine
Wutausbrüche, die vorauszusehen die Zeichen von Himmel und Meer uns langsam lehren. Er zwingt uns, jede Minute, jede Sekunde an ihn zu denken, denn der Kampf zwischen ihm und uns hat nie ein Ende. Unser ganzes Wesen ist für diesen Kampf gewappnet: Das Auge, das unmerkliche Erscheinungen auszumachen sucht, die Haut, die seine Liebkosung und seinen Hieb empfängt, der Geist, der seine Laune erkennt, seine Überraschungen voraussieht, der beurteilt, ob er sanft ist oder launisch.
Kein Feind gibt uns so sehr das Gefühl des Kampfes, zwingt uns zu so viel
Voraussicht, denn er ist der Herr des Meeres, der, dem man ausweichen, den
man nutzen oder vor dem man fliehen kann, den man jedoch niemals bändigt."
(Guy de Maupassant, "Auf See")
Weiter in Rauschefahrt und guter Laune,
Eure Atlantik-Crew

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