Von fliegenden Fischen und Hühnern

Antiga to Bermuda Race- Broader View Hamburg - Teil 2

Nach dem Start ging es erst einmal hektisch zu. Diese Phasen einer Regatta zeigen besonders gut den Unterschied zwischen eingespielten und untrainierten Crews. FÜr den Aussenstehenden durchaus mit Potential für Amusement - für die Betroffenen im besten Sinne aufreibend - aber herrlich.

Es war klar, unsere unmittelbar zurückliegende Überführung von Martinique nach Antigua war gut für ein paar geübte Manöver aber vermessen zu glauben, sie sei ausreichend, um in Start und Nachstartphase 100 prozentig eingespielt zu sein.

Trotzdem hatten wir den Zeitpunkt, um über die Startlinie zu fahren, ganz vernünftig abgepasst und sind auch sonst gut über die Startkreuz und die ersten Meilen mit geschriggten Schoten um Antigua herumgekommen. Begleitet wurden wir von fliegenden Fischen, deren Fluchtverhalten wir bewundern, wenn sie sich, aus der einen Welle heraus und zwei Wellen weiter wieder ins Meer hinein ihren Angreifern entziehen.

Was beim Start das Training, ist unter Deck das Verständnis von - für das Segeln - angemessener Ordnung. Anders als zuhause folgt sie weniger dem eigenen Einrichtungsgeschmack und dem Wunsch zur individuellen Gestaltung des Wohlbefindens. An Bord folgt sie dem pragmatischen Gesetz der Sicherheit und Platzoptimierung. Sicherheit, weil alles, was nicht festgezurrt oder verstaut ist, in der Schiffsbewegung durch die Gegend fliegen kann. Der dabei mögliche Schaden für Mensch und Schiff ist zumindest systemtheoretisch nachvollziehbar.

Die Crew hatte sich das zu Herzen genommen. Ordnung unter Deck galt als hergestellt. Vorbildlich saßen alle auf der hohen Kante. Allein der Schwerpunkt des Kochtopfes auf dem Herd wurde unterschätzt. Insofern können in Rotwein getränkte Hühnerbeine mindestens ebensoviel Aufmerksamkeit erregen, wie die fliegenden Fische auf See. In der Schiffsbewegung hat die Crew so ihr (rotwein-)blaues Wunder erlebt - und die toten Hühner schafften das, was ihnen noch zu Lebzeiten verwehrt war - sie lernten Fliegen.

Was sich zuhause auf wundersame Weise von Heinzelmännchen auf- und hinterheräumt und so dem Wohlbefinden unterordnet ist an Bord doch tatsächlich selbst zu organisieren. Denn wer dies unterläßt, erleidet beides - eine Einbuße an Sicherheit und Wohlbefinden.

... Wir haben die Sauerei inzwischen wieder aufgeklart - und das Essen hat trotzdem geschmeckt!

Ein Fehler ist doch erst beim zweiten Mal ein Fehler - und beim ersten Mal eben einfach nur Erfahrung - vergesst die Systemtheorie.

Beste Grüße von Euer Broader View Crew

Mike, Jochen, Andreas, Thommi, Max und Maxi, Jakob, Benni, Oliver, Clemens und Achim

Mehr lesen über: Reiseberichte 2017RSS Feed

"Normally, we cross the Atlantic..."

Seit September 2017 segelt der HVS wieder eine Reise über den Nordatlantik - sowohl für die Haspa Hamburg, als auch für die BROADER VIEW HAMBURG ist es die jeweils 4. und 5. Atlantiküberquerung. Zum ersten Mal segeln die beiden Schiffe allerdings gegeneinander über den Atlantik! Das im Rahmen der "Atlantik Anniversary Regatta" des NRV initiierte Projekt führt die Crews durch die Biskaya zu den Kanarischen Inseln, von dort in die Karibik und weiter gen Norden, bevor es im Juli 2018 von Bermuda nach Hamburg ins Ziel geht.

Blog  Das Projekt  Tracking

Bildergalerie

Tracking / Schiffspositionen