Panorama

Rio – (An)dichtung und Wahrheit – 2. August in Rio

Haspa Hamburg vor dem Zuckerhut

Bericht Rio

Seit ein paar Tagen nun ist ein Teil der HVS Abordnung in Rio als „Onshore Crew“ unterwegs, während die übrige Besatzung an Bord des Schiffes noch die Schönheiten der „Costa Verde“ südlich von hier genießt. Es gilt hier in Rio noch einiges zu klären: Wo darf das Schiff wann tatsächlich fahren, wo kann man legal Gäste auf der Rio Seite aufnehmen, wann dürfen die HVS-ler ins Deutsche Haus, wie kommt man dorthin?

Sozusagen nebenbei erleben wir, das sind Tina, Niels O. und Hanns, dann auch die Stadt in den letzten Zügen vor der feierlichen Eröffnung der Spiele. Voller Stolz zeigen uns unsere lokalen Partner von „Interclearence“ (die, die uns so formidabel durch den Brasilianischen Bürokratiedschungel begleitet haben) ihre Stadt, und was dort alles zu den Spielen erreicht wurde: Eine die Hafenfront zerschneidende häßliche Betonhochstraße wurde durch einen Tunnel, der unter der gesamten Altstadt verläuft, ersetzt. Auf der neu geschaffenen Freifläche am Wasser ist eine wunderbare neue Freifläche entstanden, die nun den „Olympic Boulevard“ beheimatet, und Standort der Olympischen Flamme ist. Nahe dem mächtigsten Symbol der Olympischen Idee, der Flamme, können dann in einem gigantischen „Public Viewing“ auch diejenigen Olympia hautnah erleben, die keine Eintrittskarte zu den Wettkämpfen ergattern konnten, oder sie sich nicht leisten können (oder wollen). Auf diese Weise kommt Olympia ganz nah zu den Menschen der gastgebenden Stadt und ihren Besuchern.

Gleich nebenan ist vor einem Monat erst der neue Museumsbau des spanischen Architekten Santiago Caltrava (derjenige, der auch die supermoderne Innenstadt von Valencia gestaltet hat) eingeweiht worden. Auf einer zu Hochstraßenzeiten verrotteten Pier am Wasser stehend, erinnert seine Struktur an ein Dinosauriergerippe. Das Gebäude ist komplett energieneutral, und versorgt sich über Solarpanele vollständig selbst. Bereits vor der Öffnung um 10:00 Uhr bilden sich lange Schlangen (momentan, vor den Spielen, noch vorrangig Einheimische), um dieses Wunderwerk zu besuchen. Auf den mit hellem Naturstein und dem in Rio üblichen weiß-schwarzen „Katzenkopfpflaster“ gestalteten Freiflächen sind noch überall Spuren des „Einschlämmens“ zu erkennen. Alles ist noch nagelneu, und soeben erst fertiggestellt.

 Mit dieser städtebaulichen Maßnahme wird der historisch bedeutsamste Teil der Stadt, der Ort der Landung des ersten Brasilianischen Kaisers (und Begründers des unabhängigen Brasiliens), die noch erhaltenen (unter der ehemaligen Hochstraße leider etwas vernachlässigten) alten Kaufmans-und Bürgerhäuser sowie die wunderbare „Iglesia de Nostra Senhora de Candelária“ erneut zu einem weiteren Zentrum der Stadt. Angebunden wird dieser neue Stadtteil durch eine erstmalig in Rio als öffentliches Verkehrsmittel eingeführte neue Straßenbahn. Sie verbindet die neuen Plätze um das Museum und den „Boulevard Olympico“ mit dem Inlandsflughafen „Santos Dumont“ und dem Hauptbahnhof als zentralem Knotenunkt des öffentlichen Nahverkehrs. Dieser ist in Rio augenscheinlich unverzichtbar, und wurde durch die Schaffung eines geschlossenen Netzes von ausschließlich für Expressbusse reservierte Fahrspuren massiv aufgewertet.

Welch ein Kraftakt dies alles bedeutet hat bis zur Olympiade fertig zu werden, sollte vor allem Hamburgern bzw. Deutschen deutlich sein: Unter den Bauarbeiten zum sogenannten „Hamburger Busbeschleunigungsprogramm” haben wir ja heute noch zu leiden, und zum Thema „Tunnel“ kommen die Deutschen Behörden ja offenbar über das Planungsstadium nie hinaus. Nimmt man dann noch gescheiterte Großprojekte wie den „Flughafen BER“ mit hinzu sollten wir in Ehrfurcht verstummen vor dem, was in Rio an nachhaltiger Infrastrukturverbesserung für die hier lebenden und arbeitenden Menschen zur Olympiade geschaffen wurde.

Im tropischen Seeklima von Rio lässt es sich als einfacher Mensch nämlich durchaus anders ganz gut leben als im kalten und regnerischen Deutschland. So sind die sogenannten „Farvellas“ ja ein unübersehbares Element des Stadtbildes in Rio, und vielfach Objekte der medialen Empörung in Deutschland. Unsere Wohnung liegt z.B. genau auf der Schnittstelle zwischen dem schicken „Iate Clube Brasileiro“ (nach vorne raus) und einer „Farvella“ in Niteroi (nach hinten raus). Hinten sind die Gebäude unverputzt und die engen Gassen verwinkelt, die Menschen dort aber keinesfalls abgerissen oder zwingend kriminell. Die Kinder des Viertels haben beim Vorbeimarsch der Olympischen Fackel mächtig für Stimmung gesorgt und  den Touristen nicht in die Tasche gefasst. Auch unsere Vermieterin aus Hamburg, bestätigt, das viele der sogenannten „Farvellas“ keinesfalls nur Armutsviertel sind, sondern oft auch von einfachen Leuten als preiswerte Wohnorte genutzt werden. Im tropischen Klima wird Wandputz übrigens oftmals überbewertet: roher Ziegel schimmelt nicht, und nicht jede Fensteröffnung muss hier zwingend mit einer Dreifachverglasung versehen werden.

Wir jedenfalls fühlen uns auch mit der Farvella im Rücken hier in Rio pudelwohl und genießen die überwältigende Gastfreundschaft der „Cariocas“, wie sich die Bewohner von Rio selber nennen.

 Bald mehr aus Rio

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