Mücken zu Elefanten und zurück: Impressionen aus Rio

Nicht immer hat man die Gelegenheit zum direkten Vergleich einer medial vermittelten Wirklichkeit und der Realität. Die in Rio anwesenden HVS Mitglieder hatten diese Chance. Hier einige Eindrücke für die an den Bildschirmen Daheimgebliebenen.

Stichwort Mücke: Monate vor dem Beginn der Olympiade beherrschte ein perfiedes Insekt die Schlagzeilen und beunruhigte die Gemüter: die gefährliche „Zika Fliege“ betrat die Weltbühne, und eroberte sogar die Titelseite des ansonsten recht rennomierten „Time Magazine“. Gebildete Gelehrte und eingebildete „besorgte Menschen“ zerredeten die Spiele im Vorfeld, und brachten sogar die Frage auf, ob es angesichts einer solchen massiven Bedrohung überhaupt verantwortungsvoll sei die Spiele in Rio zu veranstalten. Angeblich haben sich sogar einige Athleten die Teilnahme an den Spielen unter dieser massiven Gefährdung ausreden lassen. Etwas unverständlich reagierten lokale Fachleute, die darauf hinwiesen, dass im Südwinter das Insektenaufkommen in Rio recht eingeschränkt sei. Tatsache ist, dass alle anwesenden HVS-ler unisono feststellen konnten, dass selbst im grellen Flutlicht der nächtlichen Wettkämpfe keinerlei Mückenaufkommen festzustellen ist. Ca. 20 HVS’ler sind z.T. gut 4 Wochen in Rio, und kein einziger ist von einer Mücke, egal ob Zika oder eine weniger prominente Art, belästigt worden. Man fragt sich schon, wer aus welchem Grunde die Zika Hysterie geschürt hat, und warum alle Medien diesen Hype völlig unreflektiert übernommen haben.

Das Gegenstück zur Mücke, die zum Elefanten aufgebauscht wurde ist der vermeintlich elefantöse und zügellose Kriminalität der nach Medieneinschätzungen im Vorfeld der Spiele angeblich alle Besucher der Spiele in Rio ausgesetzt wären. Dieser düstere Elefant entpuppte sich im Nachhinein wahrlich als Mücke. Wir haben uns während der vergangenen 4 Wochen kreuz und quer durch Rio bewegt, von unserer Basis in Niteroi nach Barra, Deodoro, Lapa, Centro, Forte de Copacabana, Ipanema, Boulevard Olympico usw.. Mit Bahn, Bus, Fähre, Taxi, Uber und zu Fuß. Bei allen Teilnehmern war das subjektive Sicherheitsgefühl allzeit sehr gut. Die Brasilianischen Sicherheitskräfte waren überall sehr präsent, und haben durch ein professionelles und freundliches Auftreten einen exzellenten Eindruck hinterlassen.

An kriminellen Erfahrungen ist lediglich ein unvollendeter vergeblicher Taschendiebstahls Versuch an zwei Berliner Seglern zu vermelden. Das können die rumänischen Taschendiebe am Hamburger Hauptbahnhof besser! Bedenklicher ist da schon das an den Tag gelegte Verhalten des US Goldmedalliengewinners Lochte, der sich und sein eigenes unakzeptables Verhalten in eine Opferrolle umlügen wollte. Hätte ja klappen können, da ja alle Welt schon durch den medialen Chor der Gewaltbeschwörer in Rio konditioniert war. Gut, dass sich die Brasilianer diese Frechheit nicht haben gefallen lassen! Es ist zu hoffen, dass die USA dieses Verhalten mit angemessenen Konsequenzen für den arroganten Bösewicht ahnden, um ihm eine „charakterliche Nachschulung“ als Gast in einem fremden Land zu ermöglichen.

Im Einfordern von nach eigenen Maßstäben richtigem Verhalten sind ja auch gerade unsere deutschen Medien ganz weit vorne. Die entrüsteten Kommentare zum angeblich unsportlichen Verhalten des Brasilianischen Publikums wirken aus Sicht vom Ort des Geschehens schon sehr befremdlich. Tatsache ist, dass die Brasilianer besonders ihre eigenen Athleten anfeuern, egal ob sie in aussichtsreicher oder aussichtsloser Position am Wettkampf teilnehmen. Die Rückseite der Medallie des frenetischen Anfeuerns der eigenen Athleten ist hierzulande aber auch das ausbuhen gefährlich werdenden Wettbewerber. Das aber auch nur solange, wie sie dem Erfolg ihrer eigenen Leute gefährlich werden können. Das ist hier nun mal so, und sollte von den international erfahrenen Wettkämpfern nicht persönlich genommen werden. Das ist nun wirklich kein Grund in Tränen auszubrechen, oder das eigene Versagen im entscheidenden Versuch mit unangemesenen „Nazi Kommentaren“ dem Publikum anzulasten. Wer hierher kommt, muss damit zurechtkommen, wie z.B. mit dem Rechtsverkehr auf dem Britischen Inseln. Andere Länder haben nun mal andere Sitten, und die Verbände hätten ihre Athleten durchaus auf diese Besonderheit der Brasilianischen Fankultur durchaus vorbereiten können. Ist der Wettkampf vorbei, sind die Brasilianer übrigens ausgesprochen friedlich und alles andere als aggressiv.

Das die Brasilianer durchaus faire Verlierer sein können erleben wir gerade als Deutsche ständig. Wo immer wir hinkommen werden die Augen gerollt, man zeigt den nach oben gerichteten Daumen oder bekommt auf die Schulter geklopft. Das „Sieben zu Eins“ der Deutschen Nationalmannschaft gegen die Brasilianische „Selecao“ von der vergangenen WM wirkt noch nach, aber nicht im Negativen sondern mit ehrlichem Respekt.

Dass wird die Brasilianer aber sicher nicht daran hindern, im heutigen Endspiel des Olympischen Herrenfussballturniers auf sportliche Rache zu sinnen und die Deutsche Mannschaft herzhaft auszubuhen wenn sie am Ball sind. Wollen mal hoffen, dass von unseren Spielern keiner zu weinen anfängt, sondern wir die Brasilianer wieder ordentlich abledern!

Daumendrücken beim Public Viewing auf dem „Boulevard Olympico“ ist heute  Pflicht für alle anwesenden HVS’ler!

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