LOBO auf See: 29:56,160 S 049:50,675 W; NO-lich Tramandai

Jeder Törn bringt seinen Helden hervor. Der unsrige heisst: LOBO.

Den ersten Kontakt mit einem Exemplar der Gattung Lobo lobos, auf Deutsch eher Seelöwe, war virtuell. Auf einem Schild am Hafen von Punta del Este wurde darauf aufmerksam gemacht, dass der Lobo an sich kein agressives Tier sei, man ihn jedoch bitte nicht reizen solle. Der Hafen übernähme zumindest keinerlei Haftung.

Was es damit auf sich hatte, wurde wenig später klar: In einer Ecke der weitverzweigten Steganlage tummelte sich ein Prachtexemplar der genannten Art am Nachmittag im Wasser. Das erinnerte manchen zunächst an die im Hafen von Hörnum lebende wohlbeleibte Kegelrobbe namens Willi, die dort von Touristen mit in der lokalen Fischhandlung extra zu diesem Zweck zu erwerbenden Heringen gefüttert wird.

Anders als der putzige Meeresbewohner auf Sylt, schwamm der Lobo in Punta nicht nur so dort herum, sondern beanspruchte an dieser Stelle auch buchstäblich seinen eigenen „Liegeplatz“: Auf dem nächtlichen Nachhauseweg zum Schiff wären wir beinahe über ihn gestolpert, wie er dort dick und fett auf dem Schlängel lag und schnarchte. Vor Begeisterung über die unerwartete nächtliche Begegnung wurden Kameras gezückt und einige Fotos mit und ohne Blitz gemacht: Crew im Vordergrund, Lobo dahinter.

Dieser beendete dann die unruhestiftende Fotosession schliesslich mit einem knackigen Brüllen, und dem Aufblitzen seines doch recht beachtlichen Gebisses.

In Anbetracht der vom Hafenbetreiber publizierten Ablehnung jeglicher Haftung konnten wir schlussfolgern, das es denn wohl vorher schon mal zu Haftungsfällen im Zusammenhang mit gestörten Nachtruhen von Lobo gekommen sein wird, und wir haben seinen knurrenden Hinweis auf „Schluss mit lustig“ zum Anlass genommen, die Fotostrecke schleunigst abzuschliessen und ihn in Ruhe weiterschlafen zu lassen.

Am nächsten Tag wurden wir Zeugen der mächtigen Stellung, die der Lobo Bulle im Hafen innehat. Mit Frau und Kindern rückte er einer Reihe Fischern auf den Pelz, die am Kai frühmorgens ihren Fang filetierten, um ihn vor Ort superfrisch an ihre Kunden zu verkaufen. Lobo und Konsorten harrten, ihre Köpfe aus dem Wasser hoch aufgereckt, an der Kaimauer aus, und forderten lautstark ihren Anteil an den weniger marktgängigen Teilen des Fangs.

Die Fischer beeilten sich, dem Lobo pflichtschuldig seinen Anteil zuzuteilen. Wahrscheinlich sorgen sie sich sonst von ihm einmal auf dem Weg zu ihren Booten am Steg überfallen zu werden.

Seit diesem Erlebnis beflügelt Lobo die Fantasie der HASPA Hamburg Besatzung immer auf’s Neue. Nicht nur, das der Lobo das einzige Meerestier zu sein scheint, das in dieser Gegend existiert und zuweilen gesichtet werden kann. Nein, auch in der Geografie sind uns auf der Fahrt von Buenos Aires bis Brasilien mindestens füns „Islas de Lobos“ untergekommen. Da es den Anschein hat, das Lobo alle übrigen Nahrungskonkurrenten ausgerottet hat (es gibt weder Wale noch Delfine noch irgendwelche andere Merreslebenwesen zu besichtigen), kann das durchaus auch als Warnung zu verstehen sein.

Wie gesagt, für Zwischenfälle mit Lobo wird keine Haftung übernommen.

Beste Grüße von der zur Zeit „MS“ HASPA Hamburg

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