Landfall in der südlichsten Kneipe der Welt

Geschafft!

Nach 28 Tagen auf See haben wir das erste Mal wieder Land unter den Füßen. Ein kleiner Schritt für einen Menschen, aber einer mit viel Bedeutung.

Nach 4 Wochen auf See steigt man über den Seezaun und hat auf einmal festen Boden unter den Füßen. Naja nicht ganz, denn in der Marina Micalvi in Puerto Williams, welches unser erster Landhafen ist, liegen wir längsseits an einem alten Rheindampfer. Der ist allerdings auf Grund gesetzt und schwankt keinen Zentimeter. Hier soll die südlichste Bar der Welt sein, leider gibt es aber keinen Barkeeper. Trotzdem ist die Messe des Dampfers, die über und über mit Wimpeln und Fahnen der Crews geschmückt ist, die hier durchgekommen sind, ein mehr als angemessener Ort, um sich noch einmal bewusst zu machen, dass wir es nun tatsächlich geschafft haben. Wir haben den berüchtigten Southern Ocean überquert und Kap Horn gerundet. Ein überwältigendes Gefühl!

Hier in Puerto Willliams, einem der Hubs für Antarktis-Expeditionen sind wir dann auch gleich in bester Gesellschaft: Arved Fuchs macht mit seiner Dagmar Aaen neben uns fest. Überhaupt finden sich hier Abenteurer aus aller Welt zusammen und man kann Erfahrungen und etwas Seemannsgarn austauschen. Die Zeit, bis wir zur Einklarierung können, nutzen wir, um das Schiff auf Vordermann zu bringen. Dann geht es los auf unsere Odyssee durch die Behörden von Puerto Williams, das zum Glück nicht groß ist, das wir aber am Ende des Tages auch komplett gesehen haben. Ohne die Schiffsbewegungen unter den Füßen, deren Schwung man die letzten Wochen zu nutzen gelernt hat, fühlen sich die Beine merkwürdig schwer an. Überhaupt sind wir ja im letzten Monat nie mehr als 15 Meter am Stück gelaufen, so dass der Spaziergang durch den Ort beinahe zum Gewaltmarsch wird. Auch die Umstellung auf Tage, die länger dauern als 4 Stunden, fällt etwas schwer, so dass der eine oder andere einschläft während wir bei der Polizei auf unsere Pässe warten. Am Abend dann, nachdem das Schiff vollständig aufklariert ist, haben wir endlich die Gelegenheit unseren Erfolg mit Antarctica Bier und Pisco Sour zu feiern.

Den gestrigen Tag konnte dann jeder dafür nutzen, die Schönheit Patagoniens zu erkunden. Felix, Sinje und Jens haben bei strahlendem Sonnenschein sogar den Aufstieg in die umliegenden Berge gewagt, um einen Schneemann zu bauen und im Gletschersee zu baden. Heute Morgen haben wir dann Chile wieder verlassen und sind nun auf dem Weg nach Ushuaia. Der Wind reicht leider nicht zum Segeln, aber für Unterhaltung ist trotzdem gesorgt: Pinguine und Seelöwen begleiten die Haspa. Nach dem sehr verschlafenen Puerto Williams wird Ushuaia nun endgültig unseren Wiedereintritt in die Zivilisation einleiten und das Ende unserer Reise markieren.

Keiner von uns wird die letzten Wochen jemals vergessen. Wir haben ein Drittel der Welt umrundet. Haben in der Sonne gebraten und bitterlich gefroren, in der Flaute gelegen und Stürmen getrotzt. Wir sind unter dem Kreuz des Südens durch die Nacht geglitten und Albatrosse waren unsere Begleiter. Am Ende bleibt uns also nur noch übrig, danke zu sagen. Natürlich an unsere Sponsoren von Hamburg Süd, ohne die ein Projekt wie dieses niemals möglich gewesen wäre. Dann dem HVS, unserem Verein, der den Mut hatte, dieses Wagnis anzugehen und uns das Vertrauen geschenkt hat, sowie allen Unterstützern an Land, zum Beispiel unseren Freunden von Wetterwelt, die uns stets mit Rat zur Seite standen. Aber hinter den Kulissen arbeiten so viele Leute, dass man hier unmöglich alle aufzählen kann. Danke natürlich auch an unsere Freunde und Familien zu Hause, die uns so lange entbehrt und mitgefiebert haben. Wir freuen uns darauf, Euch bald von unseren Abenteuern erzählen zu können! Und last but not least an alle treuen Leser dieses Blogs, ich habe mich immer sehr über die positive Resonanz gefreut! Bis bald dann wieder in Deutschland!

Eure Kap Horn Crew: Dirk, Jens, Felix, Vincent, David, Sinje, Niels, Paul und Per

Bericht 18 27.02.2016, 16:16 UTC, 54°52.834'S 067°57.476'W, Beagle Kanal Zwischen Puerto Williams und Ushuaia

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Kommentare

Alexander Holstein Ja, das stimuliert mich doch, endlich auch aus der Deckung zu kommen und dem -anonymen- Blogger-Team für die aufschlußreichen und liebevollen Berichte zu danken: das war wirklich gute Seemanns-Literatur, und es ist zugleich ein Ansporn für uns, damit fortzufahren! Wir haben, als Nachfolge-Crew natürlich ganz besonders, immer gespannt auf den nächsten Bericht gelauert und diesen dann jeweils schnell "inhaliert", um nichts zu verpassen. So wird es vielen Eurer Begleiter in der Heimat gegangen sein. Toll, dass die Technik einen so hautnah dabei sein läßt! Ihr seid jetzt unsere Seefahrer-Helden, allesamt! Grüße an die Crew, so lange sie noch zusammen ist! Alexander (29. Februar 2016, 00:02)

Daniel Eine ganz tolle Leistung, Glückwunsch an die ganze Crew. Der Blog war richtig gut zu lesen und hat die Stimmung schön transportiert. Jens, bleibt der Bart? :-) (29. Februar 2016, 07:02)

Carol Supertolle Leistung. Klasse dass ihr gut angekommen seid. (29. Februar 2016, 19:02)

IlkaR. Supertolle Leistung! Herzlichen Glückwunsch an die gesamte Crew! ...und Per noch viel Spaß beim Erkunden des Kontinents (29. Februar 2016, 20:02)

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