Der Atlantik und seine vielen Gesichter

72 Stunden

Die bereits avisierte Currywurst mit Bratkartoffeln war, wie mittlerweile erwartet, genial und wurde sogar standesgemäß in original Currywurstschälchen serviert. Nach dem kurzen gemeinsamen Happening ging die Routine wieder weiter. Die folgende Nacht war deutlich entspannter als die beiden vorherigen. Zunächst unter Motor und später unter 3. Reff und Genua 5 war Schlafen wieder möglich. Der kommende Tag verlief ebenfalls sehr entspannt. Highlight sollte wieder einmal das Abendessen werden. Bei achterlichen Winden und einer kabbeligen See zauberte Vincent ein Züricher Geschnetzeltes mit Reis feinster Art. Diese kulinarische, wie auch mental-moralische Stärkung, war eine gute Vorbereitung für die kommenden Ereignisse. Die Windvohersage verhieß eine spannende Nacht. Erneut mit kleinster, aber noch weißer Besegelung, surften wir die Wellen im Vollmondschein hinunter. Vincent, der sich unerlaubt aus der Kombüse ans Steuer schlich (vermutlich war der Zeiser zum fixieren eines Smutje bei starker Lage zu lose angebunden), beobachtete um 2345 Lokalzeit ein finster und bedrohlich wirkendes Wolkenband dicht über dem Horizont. Nur 15 Minuten später hatte uns das Wettergebilde eingeholt und stand achteraus über der HASPA Hamburg. Chriggel wurde geweckt, um die Lage noch schnell vor der sich abzeichnenden Mondfinsterniss zu begutachten. Im selben Moment verwandelte sich der Himmel aber schonl in tiefes Schwarz, als wenn jemand das Licht ausgeschaltet hatte. Nur kurz danach begrüßte uns eine Bö, die man auch gut und gerne als starke, bis sehr starke Backpfeife bezeichnen könnte. Die Situation stellte sich als leicht überraschend dar, war aber stehts unter Kontrolle der Wachhabenden. Als der Wind knapp unter 40 Knoten viel, verwandelte sich die Anspannung aller Crewmitglieder, die mittlerweile alle wach waren und aus den Luken auf die Windanzeige spickten, in Erleichterung. Es war zwar immer noch äußerst finster und nass vom Regen, aber bereits nach einer halben Stunde surfen in absoluter Dunkelheit ging der Lichtschalter wieder an und Mond und Sterne meldeten sich mit milden 20 Knoten Wind an Deck. Wir nutzten den Moment der Ruhe und bargen die Genua 5, um nur unter Großsegel im dritten Reff vorbereitet zu sein auf das, was da noch kommen sollte. Denn der Blick achteraus offenbarte uns ein neues Wolkenkonstrukt. Diesmal mit starkem Wetterleuchten, das unregelmäßig über die gesamte Breite des Horizonts zu sehen war. Das Wettergeschehen erinnerte einige an sogenannte Sqalls, die man in der Passatregion oft antrifft. Exakt 3 Stunden nach der ersten Mondfinsternis folgte die Zweite. Dabei sprang der Wind schlagartig um 25 Knoten bis auf 48 hoch. Doch der Wind kam erwartet und ohne Genua ließ sich die halbstündige Gewitterbö ohne Probleme vor dem Wind "abwettern". Bis zum Sonnenaufgang konnten dann weiter die Sterne gezählt werden. Für die Strapazen der vergangenen Nacht haben wir uns mit Spiegeleiern und Bacon "all you can make yourself" belohnt.

Der Tag heute fällt eher unter die Kategorie Wellness. Wir Cruisen unter Großsegel im 2. Reff entspannt dahin und bei strahlendem Sonnenschein sind alle an Deck und genießen die warmen Sonnenstrahlen. Auch eine Delfinschule aus ca. zehn Tieren erfreute sich an dem Bug der surfenden Haspa. Chriggel derweil scheint noch ausreichend Reserven zu haben. Denn nach einer Stunde "Chriggeln" ist es an Bord nun so, dass die Cabinlights anfangen zu blinken, sobald der Boatspeed die 9 Knoten überschreitet. Wir sind gespannt auf das Discolicht der kommenden Nacht.

Es liegen noch ca. 270 Meilen vor uns und trotz abflauender Winde sollten wir Freitagabend in Mar del Plata einlaufen können.

Von Bord grüßen Chriggel, David, Jan, Johannes, Jonas, Vincent und René

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