Das Kap im Blick. Rasmus ist uns auf den letzten Meilen wohlgesonnen.

Auf der Zielgeraden

Noch 200 Meilen bis zum Kap! So richtig kann es noch keiner an Bord glauben, aber wir befinden uns auf der Zielgeraden unserer Reise.

Wenn alles nach Plan läuft, werden wir morgen Nachmittag Kap Horn erreichen. Nach nun beinahe einem Monat an Bord ein komplett surreales Gefühl. Besteht doch eine der wesentlichen Voraussetzungen dafür, dass man so eine lange Zeit an Bord aushält, darin, immer nur von Wache zu Wache zu denken und bloß nicht an die Entfernung, die noch vor einem liegt. Aber die Seekarte lügt nicht. Denkt man an die Zeit zurück, die im 4 Stunden Rhythmus hinter uns liegt, gab es durchaus Momente, in denen wir daran gezweifelt hatten, es rechtzeitig für unsere Flüge nach Ushuaia zu schaffen. Gerade im ersten Teil unserer Tour, die durch Flauten und Amwindkurse gezeichnet war, haben wir kaum Strecke in die richtige Richtung gemacht. Betrachtet man unsere Etmale der letzten Tage, kann man kaum glauben, dass wir damals fast eine Woche gebraucht hatten, um die magische Grenze von 10 Knoten Boatspeed zu knacken.

Besserung trat erst mit dem endgültigen Erreichen der 50s ein, welches den zweiten Abschnitt unserer Reise einläutete. Dieser war dann geprägt von herrlichen Segelbedingungen unter Kite bei Tag und pechschwarzen Nächten. Zu dieser Zeit bürgerten sich an Bord erstmals die Begriffe Flug- und Biergeschwindigkeit ein. 7,5 Knoten Boatspeed bedeutete, dass wir unsere Flüge pünktlich erreichen würden. Ab 8,5 Knoten wäre noch genügend Zeit, um gemeinsam die Ankunft bei einem Bier in der Kneipe zu feiern. Ein Ansporn, der sein Ziel nicht verfehlte. Als uns der Wetterbericht ein Tiefdruckgebiet zwischen uns und Südamerika prophezeite und wir die Entscheidung trafen, auch dieses in den 50s zu durchqueren und nicht wieder den Umweg nach Norden zu nehmen, begann dann die letzte Etappe der Southern Ocean Challenge, die dann schließlich auch den Titel rechtfertigte. Während der letzten Woche haben uns die Furious Fifties zumindest angedeutet, wozu sie in der Lage sind und weshalb sie ihren Spitznamen tragen. Aber Kälte, Nässe und Brecher konnten uns zu keinem Zeitpunkt die Zuversicht und Kontrolle über das Geschehen nehmen. Wir könnten nicht glücklicher über unseren Entschluss zur Südroute sein, haben uns doch die Tiefausläufer ein Rekordetmal nach dem anderen und immer wieder herrliches Rückseitenwetter beschert.

Langsam bekam die noch zurückzulegende Distanz wieder greifbare Dimensionen: Noch eine Atlantiküberquerung, noch ein Fastnet Race, noch eine Rücküberführung von Cowes nach Helgoland. Nun liegt dies alles hinter uns und so langsam fällt die extreme Anspannung der letzten Wochen von uns ab. Aktuell scheint die Sonne und wir machen im ersten Reff bei halbem Wind zügig Fahrt aufs Ziel zu. Der Wetterbericht für den Gipfelsturm ist günstig. So schwankt man emotional zwischen der Freude auf ein trockenes Bett, eine Haarwäsche oder ein kühles IPA und einer doch irgendwie unterschwellig vorhandenen Melancholie bei dem Gedanken daran, unser Bordleben, das uns so in Fleisch und Blut über gegangen ist, bald aufgeben zu müssen. Aber wie gesagt, eine Nacht zum Genießen haben wir ja noch.

Liebe Grüße von der ganzen Crew!

Bericht 16  23.02.2016, 19:43 UTC, 56°25.537'S  73°40.194'W

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Kommentare

Dörte und Lothar ihr seid einfach toll (24. Februar 2016, 22:02)

Joki Ganz grosse Leistung, Riesenrespekt! Aber passt auf der Zielgeraden auf, dass Ihr nicht mit Arved Fuchs zusammenknallt, der segelt ganz in Eurer Nähe auch grad ums Kap! (25. Februar 2016, 10:02)

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