Racekrimi in Slow Motion

Wir fahren weiter mit schwachen Winden von achtern gen Rio

Täglich grüßt das Gribfile. Neue Wetterdaten werden über unsere Ersatz-Satellitenverbindung Bit für Bit (kein Bier) an Bord gelockt und in der Navigationssauna zu einer Strategie verwurstet. Anfangs planten wir, unsere Gegner in einer Flaute parken zu lassen - leider nicht mit Erfolg. Also setzten wir vor zwei Tagen auf ein etwas südlicheres Routing, was sich bishher ausgezahlt hat. Wir schwimmen nun etwas weiter vorn im Strom und versuchen, keine Meile aufzugeben - bei teilweise unter 10kn Windspeed mit einer langen 3m-Dünung kein leichtes Unterfangen. Wir reden Groß und A2 gut zu nicht zu schlagen und nehmen bei jeder Bö Tiefe mit. Zwischenzeitlich werden auch Winddreher mit Halsen beantwortet und wir fühlen uns in beiden Hälften der Haspa Hamburg gleichermaßen heimisch (wobei Backbord mit mehr Erinnerungen verknüpft ist).

Einige kennen bestimmt die Verlockung, mit Kite kurz höher ran zu gehen und Schwung zu holen, sich dann auf die Welle zu setzen und den aktuellen Topspeed der Reise kurzfristig zu überbieten. Dafür ist aktuell leider weder Zeit noch Wind, wir müssen gemächlich und konstant bei 155-160° TWA Strecke machen.

 

Noch sind es etwa 1400nm bis zum Ziel, weniger als ein Round Britain, etwas mehr als zwei Sydney-Hobarts oder auch etwa zwei Fastnet Races mit dem neuen Routing nach Cherbourg. Ein sparsamer Diesel(Euro 6 natürlich) muss dafür mindestens zweimal an die Tanke, bei der Gelegenheit würden wir wohl sogar auf die seit Tagen warm gehaltenen Bockwürste abfahren und im Kühlregal zugreifen. Stattdessen gibt es weiterhin Gefriergetrocknetes und diese Müsliriegel, von denen wir ganz schön viele gekauft haben. Für Chipstüten ist die bordeigene Evolution in vollem Gange. Die Freiwache schläft nur leicht und spitzt die Ohren auf das leiseste Knistern. Ein Sondereinsatzkommando der Aktiven dringt auf Zehenspitzen zum Vorschiff vor, schnappt sich das begehrte Gut und flüchtet übers Vorluk an Deck nach achtern. Die Beute wird im toten Winkel des Niedergangs gerecht verteilt und mögliche Spuren verwischt.

 

Uns erwarten die nächsten Tage weiterhin leichte, achterliche Winde, bei denen wir Zeit für solche Aktionen haben. Anschließend treffen wir auf Luft aus Nord, die es deutlich eiliger hat - und sind gespannt, wie sich unsere Verfolger und Verfolgten dabei schlagen. Maserati und Love Water sind schon im Ziel und die Crew der Almagores scheint großräumig auszuweichen, um die Ordnung im Weinkeller nicht zu gefährden - ein Problem, vor dem wir zum Glück verschont bleiben :)

 

Viele Grüße von 26° 01,5' S 018°18,8'W bei 12,7kn Wind, 9,6kn Boatspeed und Kurs 270°,

Eure Cape2Rio-Crew

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Kommentare

Hanns Tolle Berichte einer außergewöhnlichen Wettfahrt. Am Dryfood seid ihr selbers schuld (22. Januar 2020, 20:01)