Huckpack von Auckland nach Hamburg
Bis oben eingeschweißt geht es für die neue Haspa Hamburg in den nächsten 6 Wochen Huckepack auf einem Hamburg Süd Containerliner von Auckland bis an die Elbe.
Freuen wir nach den ausgiebigen Trainingswochen in Neuseeland also auf die ersten Segelerlebnisse auf Elbe, Nord- und Ostsee!
Die Überfahrt: Wellington - Auckland
Sonntag, 24. Januar 2010, 10:50 - S34°26,2732 / E172° 27,0594
Nach einer stürmischen Abfahrt in Wellington, einem genialen Ritt unter Gennaker, Top Speed 23,6 Knoten, rauschen wir jetzt unter A2 und vollem Groß um die Nordspitze Neuseelands. Angenehmes Leben der besonderen Art, roher Tunfisch, Sonnenuntergang, Musik, eine tolle Kulisse und gute Stimmung, nicht zuletzt ein großartiges Boot und eine begeisterte Besatzung.
Viele liebe Grüße vom anderen Ende der Welt.
Johan, Gregor, Georg, Hartwig, Sören, Eike, Will, Marc, Simon, Inka, Volker und Paul
Fröhliche Weihnachten
Our New Baby
Für eine Segelcrew ist es das vollkommene Glück, zum ersten Mal sein neues Boot zu Gesicht zu bekommen. Ähnlich dem frisch gebackene Vater, dem von der Hebamme sein Neugeborenes in den Arm gelegt wird. Mit diesem Gefühl beschreitet die erste SeaTrial Crew der nagelneuen Haspa Hamburg stolz den seglerischen Kreißsaal in Wellington/ Neu Seeland vor den Toren von „Hakes Marine“. An Deck erwarten sie Werftchef Paul Hakes, Projektleiter Henning Rocholl, nebst Johan Wilckens, dem zukünftigen Inspektor, und einer Schaar Bootsbauer, die noch eifrig das Boot auf Hochglanz polieren. Zögerlich wird das neue Baby erklommen und jedes Detail kritisch in Augenschein genommen. Ist wirklich alles dran? Mast- steht, Segel- da, Kiel- sollte drunter sein, Nase- sieht ein wenig wie der Rüssel eines Ferkels- aber dran. Schnittig sieht sie aus, in tiefem Rot, mit 1 Meter langen Bugspriet und einen sehr weit ausladendem Heck von gut 4,80 Meter Breite. Das weisse Deck mit einem flachen Aufbau und schlanken Fensterbänder wirkt sehr agil. Der Kohlefasermast -satte 27 Meter lang- wird noch von einem 1,4 m hohen Instrumentenmast gekrönt. Das breite Cockpit mit Grinder bietet Platz sowohl zum Durchdrehen, als auch zum Walzer tanzen. Unter Deck zeigt sich puristisches, modernes Design. Es gibt nur eine Türe zur Nasszelle, der Rest ist weit und offen. Alle Ablageflächen sind in Kohlefaseroptik. Zum Schlafen dienen vorwiegend Rohrkojen- zehn Stück an der Zahl. Die Navi ist achtern hinter dem Motor versteckt. Der Navigator kommuniziert durch ein Luk direkt mit dem Steuermann. Im Falle fehlerhafter Information kann so der Steuermann seinen Navigator direkt am Schopf packen und durch selbige Öffnung zum Personalgespräch ans Tageslicht befördern.
Die Technik sollte schlicht und bedienerfreundlich sein, die Schnittstellen minimal. So gibt es quasi nur einen Schalter in Form eines High-End Bedienpanels für alles- Licht, Pumpen, Sensoren, einfach alles über einen Display. Der ganze Spass ist CAN-Bus gesteuert, was in Autos schon lange state-of-the-art ist, auf Sportbooten dennoch eher die Ausnahme. Wer folglich nachts ganz eilig auf Toilette muss und nicht mit der Bedienung vertraut ist, thront im Dunkeln. Die technische Ausstattung lässt bei genauer Betrachtung keine Wünsche offen. Unter jedem Deckel verbirgt sich irgendein technisches Feature- vom Wassermacher über diverseste elektronische Schaltboxen, bis zur zentralen Lenzeinheit, von der aus der gesamte Rumpf innerhalb kürzester Zeit trocken gelegt werden kann. Hätte die Titanic damals über so ein System verfügt, die Katastrophe wäre sicher zu verhindern gewesen.
Die offizielle Übergabe der Haspa Hamburg an den Hamburgischen Verein Seefahrt wird auf See stattfinden. Paul Hakes startet die 75 Yanmar Pferde zu der letzten Fahrt unter seiner Verantwortung. Endlich geht es los. Wird unser Baby Stand halten und -viel wichtiger- wird es schnell sein? Die Dimensionen scheinen auf Grund der breiten Bauform gewaltig für 52 Fuss. Paul steuert in den Wind zum Grosssegel setzen. Square Top heisst das Geheimnis zu gefährlich viel Segelfläche- was für ein beeindruckend grosses Laken. Dazu doppelte Backstagen -die Runner- mit Checkstays, gut gefeilte Wanten, keine überlappenden Vorsegel. Man gibt übrigens ab sofort englische Kommandos an Bord- zum Training, zur reibungslosen Kommunikation mit den Kiwis und zum Angeben zu Hause. Poseidon meint es an diesem Tage gut mit uns. Während es in Windy Wellington ständig mit 30-40 Knoten Wind ballert, wehen heute entspannte 12 Knoten. Also fix das Vorsegel gesetzt und los geht es unter Neuseelands Sonne. Selbige brennt übrigens gnadenlos und wer sich bis dato noch nicht eingecremt hatte, sollte sich auf einen sportlichen Sonnenbrand einstellen. Die Kiwis schmieren sich -völlig uneitel- mit weisser Zinkcreme ein, was einer Kriegsbemalung gleicht. Das Baby springt gut und spontan auf 8,5 Knoten am Wind und liegt satt im Ruder. Der erste Downwinder lässt nicht lange auf sich warten. Gennaker angeschlagen und auf Kommando „hoist Kite“ wird ein überdimensionaler Haspa Schriftzug auf weissem Tuch in den Himmel gezogen.
Nervenaufreibende Spihalsen, die den Skipper mehr Energie kosten, als drei Joggingrunden um die Alster, gehören Gott sein Dank der Vergangenheit an. Es gibt von heute an nur noch asymmetrische Gennacker die über den Bugspriet gefahren werden; ohne Spibaum oder doppelte Schotführung. Unterstützt wird die Konstruktion durch eine gut durchdachte Bergesystematik. Als das Boot auf dem Reachgang beschleunigt werden die Vorteile des enorm breiten Hecks schnell deutlich. Das relativ grosse Ruderblatt gewährleistet eine gute Kontrolle auf bei kritischen Situationen.
Henning Rocholl setzt seinen förmlich-feierlichen Gesichtsausdruck auf und bittet die Schlüsselpersonen zur Besiegelung der Bootsübergabe in den Salon. Zurück an Deck wird in feierlicher Weise die Flagge am Heck gegen die deutsche Nationale ausgetauscht. Damit dieser Akt allen Anwesenden noch lange in Erinnerung bleiben mag, ehrt Henning jeden Einzelnen mit einer Haspa Hamburg Medaille. Die Stimmung steigt auf olympisches Niveau, einzig auf das Spielen der Nationalhymne bleibt aus.
Martin Röhrig
Light Winds - easy Sailing
Für die erste Crew der Haspa Hamburg steht ein Appartement wenige Gehminuten der Chaffers Marina Wellington bereit. Die Tage in Neuseeland beginnen jeweils um 9 Uhr an Bord mit der Frühbesprechung. Es gilt eine lange Liste diverser Bastelarbeiten durchzuführen, eh mit ernsthafterm Training begonnen werden kann. Vom Putzjob bis zum Programmieren der aufwändigen Bordelektronik ist alles dabei. Inspektor Johan und Chriggel stehen ständig mit Gott und der Welt per Handy in Kontakt, um alles zu koordinieren. Als handlungsbedürftig erweist sich die eingangs beschriebene Elektronik. Ergänzend finden technische Einweisungen der Crew in alle Details des Schiffes statt, bei der weitere erforderliche Änderungen ans Tageslicht gefördert werden.
Am 24.12. startet das erste SeaTrial unter HVS Flagge in der Bucht von Wellington. Der Wind weht moderat aus Norden. Die Abstufung der Vorsegel ist gewöhnungsbedürftig: Es gibt eine Medium, eine Heavy und eine Genua IV, die bis 29 Knoten reicht. Danach gibt es nur noch das Sturmsegel für dem Amwinder. Dies wird übrigens nicht am Vorstag gefahren, sondern an einem eigenen, zu setzenden Stag, gut 1 Meter weiter achtern. Chriggel lässt Genua IV und volles Gross setzen. Das Gross ist mit 97qm gewaltig und will sauber eingestellt werden. Durch den langen Mast und den relativ hohen Segeldruckpunkt neigt das Schiff bei mittleren Winden fix bis zu einem gewissen Punkt, ab dem es recht Kränkungsstabil ist. Die Haspa fährt gut um die 8 Knoten auf der Kreuz.
Zeit für die Kites, wie die Gennaker von den Kiwis genannt werden. Das Schiff verfügt über 4 Stück, welche allesamt ausschliesslich über den Bugspriet gefahren werden. A1-A3 haben jeweils 100%, was immerhin stolze 250qm sind, der A5 80%; laut Spezifikation sollte dieser somit bis 35 Knoten zu segeln sein. „Sail it, until you get scared,“ lautet die Aussage des Segelmachers zum zulässigen max Wind. Wem die Downwinder ohne Spibaum zu langweilig sind, der kann zudem gerne noch das Spaysail setzen, eine Art Kuttersegel aus Spituch, welches zwischen Gennaker und Gross gesetzt wird, und somit mehr Tiefe und auch Speed ermöglichen soll. Besonders dieser Konstellation erfordert sicher noch viel Training, um wirklich das volle Speedpotential ausschöpfen zu können. Zunächst sieht es lediglich beeindruckend aus, mit gutem Willen geht die Logge auch um 0,2 Knoten hoch, was bei den wechselnden Windern in der Bucht schwer festzulegen ist. Mit der Besegelung sollten Downwinder über 10 Knoten selbstverständlich werden. Zum Bergen dient eine Dyneema Leine von der Segelmitte gut einen Meter über dem Unterliek, welche beim Segeln in einer kleinen Tasche am Segelvorliek aufbewahrt wird. Nettes Feature, doch auch das will trainiert sein, damit die Leine nicht ständig durchs Wasser hinterher geschliffen wird. Hinter dem vollen Gross stellt ein Spiberger ins Vorluk jedoch ohnehin keine grosse Hürde dar.
Nach 4 spannenden Stunden auf See geht es zufrieden und von der Sonne gut angebraten zurück in den Hafen, denn schliesslich ist Heiligabend. Dort angekommen zaubert Alexa als besondere Überraschung sexy Weihnachtsmannkostüme und ein Engelskostüm aus der Tasche- es ist Fototermin- die Bilder sollten inzwischen landläufig bekannt sein. Dem Anlass angemessen wird der Segeltag bei Gin Tonic an Bord abgerundet, zu dem sich auch Werftchef Paul nebst Gattin gesellen.
Heiligabend wird stilsicher bei festlichem Essen im Appartement gefeiert. Es gibt verschiedene Braten vom feinsten von Alexa zubereitet. Es folgt ein Julklapp zu dessen Vorbereitung ein jeder für ein anderes – vorab ausgelostes- Crewmitglied ein Geschenk kaufen und ein Gedicht schreiben sollte. Beides war durchweg liebevoll getextet und ausgesucht und wurde unter einem von Hetti gebastelten Weihnachtsbaum aus Kreppapiert gelegt. So war der Heiligabend am anderen Ende der Welt extrem schön und harmonisch und als die Crew in der Nacht von den Ereignissen des Tages erschöpt in die Kojen fällt, beginnen fern in der Heimat gerade die ersten Vorbereitungen für die heilige Nacht. Neuseeland liegt nun mal in der Zukunft.
Martin Röhrig
Strong Winds - Heavy Gusts
Kein Tag bei den SeaTrials gleicht dem anderen. Oft stellt sich erst morgens heraus, dass die Haspa nicht segelklar ist. Häufiger Grund hierfür ist unter anderem der Harken ProTrim Traveller. Hierbei wird die lange Talje des klassischen Travellers durch ein Getriebe unter Deck ersetzt, welches durch eine Endlosleine angetrieben wird. Schön gedacht, nur funktioniert es schlichtweg noch nicht und die mühsam erarbeitete Höhe wird zu häufig durch ein kurzes Rutschen des Travellers wieder vernichtet. Hinzu kommen diverse Spontanausfälle, wie in folgender Situation verdeutlicht: Wellington, 7:45 local time; Chriggels Telefon klingelt. Am anderen Ende Johan, an Bord, im Hintergrund ein enervierendes Piepen."Batterien? OVP oder UVP (hier geht es nicht um den astronomischen Kaufpreis)? Welche Lampen? Sch...Sch...[von der Redaktion gekürzt].... ich komme sofort runter..." Hier sei anzumerken, dass die Haspa über spezielle Lithium-sonstwas Batterien verfügt, welche jede für sich über mehr Intelligenz verfügen, als der Durchschnittsgrinder. Beide Batterien wiegen gerade mal 50 kg bei einer Kapazität von knapp 400 AH und verfügen somit über mehr Energie, als die gleiche Masse an TNT. Dolle Teile, zumindest, wenn sie nicht piepen.
Bei den ganzen technischen Herausforderungen wundert es kaum, dass in den vergangenen zwei Wochen seit Übergabe erste 6 Tage ernsthaft gesegelt werden konnte; insgesamt ca. 18-20 Std.; an Tagestrips auf die Südinsel ist nicht einmal zu denken. Hinzu kommt, dass es in Windy Wellington meistens bläst, als ob es kein Morgen gibt. Winde bis 30 Knoten werden unter "Leichtwindsegeln" abgehakt. Der Regelzustand sind Winde zwischen 30 und 40 Knoten, gerne ist es auch mehr. Windfinder gibt hier keine verlässliche Auskunft. Gute Prognosen und Messwerte liefert die Internetseite des lokalen Segelclubs, des Royal Port Nicholson Yacht Clubs (www.rpnyc.org.nz)
Um überhaupt aufs Wasser zu kommen, können Winde über 25 Knoten nicht als Showstopper akzeptiert werden. Also: Reff vorbereitet, die schicken, neuen Spinlock Rettungswesten angelegt und los geht es zum Starkwindtrial. Genua IV, Gross im 2. Reff und ab geht es. In der Bucht von Wellington steht nur eine geringe See, dafür überraschen lokale Winddreher und Böen- quasi Alsterbedingungen für den Hochseesegler. Beim Amwinder geht die Hapsa wieder -wie gewohnt- auf die Seite bis die Kante fast im Wasser ist. Als nächstes soll der erste Max Speed erzielt werden. Schoten fieren und auf Reachgang abfallen. Das Boot beschleunigt auf kurz vor 13 Knoten. Jetzt muss lediglich noch die nautische Schallmauer durchbrochen werden, damit sich Haspa richtig auf die Welle setzt. Bei flachem Wasser erfordert es viel Steuergefühl um richtig in die "Glitsche" zu kommen. Auch hat von uns noch keiner Erfahrung, wie die "Chines" richtig angesprochen werden wollen. Mit "Chines" bezeichnet der Experte die schnittigen Kante in der Bordwand des achterlichen Rumpfes, knapp über der Wasseroberfläche. Autobauer würden es als "new-edge design" bezeichnen. Spass macht es auf jeden Fall, mit anzusehen, wie der sagenhaft breite Rumpf über das Wasser schiesst. Die Crew ist inzwischen gut eingespielt und so erfolgen alle Handgriffe routiniert und verlässlich. Zudem kann die ganze Crew von den VO60 Erfahrungen von Chriggel profitieren. So wird beispielsweise das Gross bei leichter Fahrt achteraus geborgen, was im im Resultat zu gut 10 Knoten weniger Wind im Vorliek führt.
Die Anleger -besonders achteraus- sind spannend bei dem relativ geringen Lateralplan. So rutscht die Nase bei Seitenwind sofort nach Lee, sobald die Fahrt verringert wird. Eine Korrektur mittels Gas geben erfordert Geduld und Nerven, da Saildrive und Ruderblatt gut 3 Meter voneinander entfernt sind. Umso schöner ist das Gefühl, wenn die Haspa wieder fest vertäut an ihrem exponierten Liegeplatz in der Chaffers Marina liegt und die Crew sich zum Debriefing im Cockpit zusammenfindet.
Für die erste SeaTrial Crew endet in diesen Tagen das Abenteuer in Wellington. Hetti und Johannes fliegen Heim, Julian und Alexa werden noch ein paar Tage die Südinsel erkunden und Martin setzt seine Suche nach dem "perfect beach" auf der Nordinsel fort. Es war eine spannende Zeit, geprägt von starken Glücksgefühlen, aber auch Enttäuschungen und nervenraubenden Tagen an Land. Die Möglichkeiten, welche die neue Haspa bietet sind gigantisch: In den wesentlichen Elementen befindet sie sich an der "cutting-edge" maritimer Technologie. Das moderne Rumpfdesign ist bestens mit dem Rigg und den Segeln abgestimmt. Die Technik unter Deck lässt kaum Wünsche offen und ermöglicht somit eine Ausbildung auf dem neuesten Stand, welche sicher so manchen SSS Praxisprüfer vom DSV ins Staunen versetzen und an die Grenzen seiner Fähigkeiten führen wird. Das Gesamtkonzept trifft auf den Punkt genau die Anforderungen eines CruiserRacers: Modern und schnell, aber dennoch robust mit einem Mindestmaß an Komfort. Sie ist nun mal eine One-Off, etwas Besonderes, ein Hingucker- genau, wie die Menschen die sie Segeln- einfach einzigartig.
Martin Röhrig








